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FWT-ALTENTHEATER: ZUM JAHRESENDE 2022 FÄLLT DER VORHANG

Mit Ende Dezember 2022 ziehen wir uns, Ingrid Berzau (70 Jahre) und Dieter Scholz (85 Jahre), mit dem Altentheater aus dem Freien Werkstatt Theater zurück. Das Altentheater des FWT findet damit nach glanzvollen 43 Jahren seinen Abschluss und wird im FWT nicht weiter fortgeführt.

Das FWT, von Dieter Scholz 1977 mitgegründet, hat sich mit dem Leitungsduo Ingrid Berzau und Dieter Scholz seit 1986 kontinuierlich weiterentwickelt und ist zu einer überregionalen und – bezogen auf das Altentheater – internationalen festen Größe geworden.

2012 haben Dieter Scholz und Ingrid Berzau die Gesamtleitung des FWT übergeben und sich seitdem dem Altentheater gewidmet. Wir blicken mit Freude auf wundervolle Jahre zurück und wünschen dem Freien Werkstatt Theater auf der gewachsenen Basis weiterhin viele produktive Jahre.

Viele haben uns in dieser langen Zeit unterstützt und sind unsere Wege mitgegangen. Wir danken dem enthusiastischen, unermüdlichem Einsatz des Altentheaterensembles und allen, die zum Team des Altentheaters gehören, den unzähligen Zuschauerinnen und Zuschauern und den Familienangehörigen des Ensembles für ihre Treue und Begeisterung.

Ebenso danken wir den engagierten Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und vielen verschiedenen Organisationen, die uns einluden und Förderungen möglich machten, dem Förderverein, der sich aus Überzeugung für die Idee Altentheater gegründet hat, und nicht zuletzt den Vertreterinnen und Vertretern der Medien, die uns ihr Ohr und Auge liehen.

Im Herbst 2022 wird das Altentheater am FWT mit seiner Neuproduktion „Vom Sagen und Schreiben“, die in den letzten beiden Jahren entstanden ist, präsent sein.

Köln, im September 2022

Ingrid Berzau und Dieter Scholz

 

Das Altentheater des Freien Werkstatt Theaters Köln – Eine 43jährige Erfolgsgeschichte

„Wir haben die Altentheaterarbeit aus theatralem Interesse begonnen. Es ging und geht uns darum, das Kapital, den Schatz des Alters und Älterwerdens mit vorhandenen und neu zu findenden künstlerischen Mitteln und Methoden zum Blühen zu bringen und eine selbstbestimmte Teilnahme am Experiment Kunst anzubieten.“ Dieter Scholz

„Auch wenn das Theaterspiel so flüchtig wie das Leben selbst ist, wird das Altentheater eine Spur hinterlassen.“ Ingrid Berzau

Das Altentheater, im Jahr 1979 vom Schauspielerteam Dieter Scholz und Edelgard Seebauer am Freien Werkstatt Theater (FWT) gegründet und seit 1986 von Ingrid Berzau und Dieter Scholz gemeinsam geleitet, war das erste professionell angeleitete Altentheater in der Bundesrepublik Deutschland.

Mit älteren und alten Menschen über Improvisation aus ihrer Lebensgeschichte, verwoben mit der erlebten Zeitgeschichte, Theaterstücke zu entwickeln, zugleich den Blickwinkel auf das Hier und Jetzt und damit auf Zukunft zu richten, entsprang der theatralen Neugier und Experimentierfreude der Schauspielprofis, die selbst im FWT in zahlreichen Inszenierungen auf der Bühne standen.

„Theaterspielen ist wie Baden in perlendem Sekt“, sagte Thea Jurkovics, Mitspielerin des Altentheaters, mit 79 Jahren. Im Alter noch einmal etwas Neues wagen, die Bretter, die die Welt bedeuten, zu einer späten Leidenschaft machen, aus der eigenen Lebenserfahrung heraus mit künstlerischen Mitteln zum Nachdenken anregen, Mut machen – all das war und ist für die Beteiligten ein aufregendes und lustvolles Abenteuer.

Im Laufe der Jahre haben rund 100 Spieler und Spielerinnen die Altentheaterbühne erobert, die Jüngsten mit 65 Jahren, die Ältesten mit über 90. Ursel Hacker, die 2006 als Fotomodell für das Kölner Seniorenjahr ausgewählt wurde, begeisterte noch mit 100 Jahren ihr Publikum.
Rund 1500 Aufführungen von insgesamt 21 Inszenierungen, die meistens jahrelang im Programm blieben, hat es in den 43 Jahren gegeben. Kaum eine Örtlichkeit, die das Altentheater nicht bespielt hätte: die eigene Bühne im FWT-Theaterhaus, Senioren-einrichtungen, Schulen, Bürgerzentren, Stadt-, Staats- und Landestheater, Kranken-häuser, Kirchen, Rathäuser, Privatwohnungen, Einkaufszentren. Zu den unterschied-lichsten Anlässen und jeweils mit auf den Anlass zugeschnittenen Programmen war es präsent bei Live-Auftritten in Fernsehen und Hörfunk, Messen, Ausstellungen, Fach-tagungen oder Kongressen und sogar mit einem Präventionstheaterstück im Polizeipräsidium.

Die Titel der mit dem Altentheaterensemble entwickelten Stücke sind Programm. Sie erzählen von „Moritaten – traurig, schaurig, schön“ (1980), „Kinddäuf unger Krahnebäume“ (1984), „Jahrhundertrevue – was ich nie vergessen werde“ (1987), „ Alte Paare – neue Beziehungen“ (1993), „Lebensend und Sonnenschein“ (1994), „Herbstreise“ (1995), „Die Generation zwischen den Stühlen“ (1995), „Spätsommergäste“ (1997), „Ewig jung“ (2002), „Wir, die Alten“ (2007), „Ja, was ist das Alter“ (2010), „Vom Leben“(2012), „Ein Lieben lang“ (2015), „Ausgetrickst – Nicht mit uns!“ (2016), „Lebenslied“ (2017) und „Vom Sagen und Schreiben“ (2022). Mit theatralen Outdoor-Auftritten hat das Ensemble Parks verzaubert, Leben und Vergänglichkeit auf dem Friedhof thematisiert und sich auf der Straße in Szene gesetzt.

Schon früh knüpfte das FWT Kontakte ins Ausland. Der internationale Erfahrungsaus-tausch Altentheater 1991 im FWT brachte Theatergruppen, Referentinnen und Referenten aus England, Frankreich und den USA zusammen und war der Beginn von weiteren internationalen Festivals, Begegnungen und Gastspielen in England, Frankreich, Schweiz, Dänemark und Österreich.

Als besonderen Höhepunkt seiner interkulturellen Arbeit initiierte und veranstaltete das Freie Werkstatt Theater im Oktober 1999 das Erste Welt Altentheater Festival im Gürzenich Köln. An fünf Tagen und in 18 Theateraufführungen brachten über 250 Menschen ihr Leben auf die Bühne. Gängige Klischees von Alter wurden auf den Kopf gestellt und menschliche Schicksale berührend dargestellt. Aus Brasilien, Kolumbien, Simbabwe, der Schweiz, der Karibik, den Molukken, Holland, Taiwan, den USA, aus Italien, Polen, England und Deutschland waren die Theatergruppen angereist, um Lebensgeschichten, künstlerisch geformt, zu einem Theaterereignis für Jung und Alt werden zu lassen und damit unvergessliche Spuren des zu Ende gehenden Jahrhunderts für die nachfolgenden Generationen zu bewahren.

Auch in anderen Medien wurde das Altentheater sichtbar, in der digitalen Welt durch ein eigenes Facebook- und Instagram-Profil sowie mit der Homepage www.altentheater.de.

Aus dem 2016 in Kooperation mit der Polizei Köln und dem Sozialwerk der Kölner Polizei e.V. entwickelten Präventions-Stück „Ausgetrickst – Nicht mit uns!“ ist 2021 ein Film geworden, der auf youtube verfügbar ist. Der Altentheater-Podcast entstand mit Hörbeiträgen zu Themen, die Jung und Alt gleichermaßen berühren: Einsamkeit, Kommunikation, Digitalisierung, Zukunft. Alle Folgen sind bei den bekannten Podcast-Anbietern sowie auf der Homepage abrufbar.

Erfahrungen austauschen und weitergeben hatte immer einen großen Stellenwert. Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen, bundes- und landesweite Modellprojekte haben Impulse gesetzt und dazu geführt, dass weitere Theatergruppen gegründet wurden.

Altentheater – das ist immer ein Austausch zwischen den Generationen. Sei es das Er-leben und Teilen gemeinsamer oder ungewohnter überraschender Erfahrungen aus den Zuschauerreihen heraus, sei es das gemeinsame spielerische Tun mit Jung und Alt wie bei den zahlreichen Jung-Alt-Projekttagen mit Schulklassen. So ist die Generationenbrücke zwischen Jung und Jünger und Alt und Älter kein Schlagwort, sondern gelebte Erfahrung.

Ehrungen und Preise für das Altentheater und seine künstlerische Leitung gab es
zunächst vom Bundesministerium für Senioren für länderübergreifendes Engagement (1999). Es folgten

• die Auszeichnung als Zukunftsprojekt im Rahmen des Robert-Jungk-Preises (2007),
• der Kölner Ehrentheaterpreis für Dieter Scholz für sein Lebenswerk (2007),
• der Hauptpreis des Otto-Mühlschlegel-Preises „Zukunft Alter“, verliehen durch die Robert Bosch Stiftung (2008),
• die Verleihung der Wortpatenschaft „Altentheater“ durch den Verein für deutsche Sprache (2009),
• die Nominierung für den Deutschen Engagementpreis (2014).

Nicht zuletzt erhielten Dieter Scholz 1995 und Ingrid Berzau 2010 das Bundesverdienstkreuz.

Was waren die Höhepunkte der 43 Jahre? Jede gelingende Aufführung, in der die Herzen der Spielenden und Zuschauenden im selben Takt schlugen. Momente in Proben, in denen staunend, lachend, berührend im Spiel sich neue Welten erschlossen.

VOM SAGEN UND SCHREIBEN

Mit dem FWT-Altentheaterensemble

Presse

"Sehnen und Suchen, Finden und Verlieren, Zusammen- und Alleinsein, aber vor allem Hoffen und Weiterhoffen prägen über rund 80 Minuten ein empathisches Werk, das poetische Nostalgie nicht mit Sentimentalität gleichsetzt. Unter der Regie von Ingrid Berzau agieren die 67- bis 91-jährigen Akteure am Freien Werkstatt Theater als authentische Geschichtenerzähler, die trotz ihrer zusammengenommenen Lebenserfahrungen im vierstelleigen Bereich erfrischend unprätentiös aufwarten. In einer komplexen multimedialen Inszenierung verflechten sich kontemplative Monologe, Tanz, Livemusik (...) sowie Schauspiel zu einem Fluss der Erinnerungen und Ausblicke." choices

"Leichtfüßig, nicht schwermütig, nach vorn blickend, nicht rückwärtsgerichtet, tauchen die 17 Darsteller in die Welt 'Vom Sagen und Schreiben' ein. Musikalische Glanzlichter kommen dabei von Sabine Falter, die das Altentheater seit Jahren als Musikdramaturgin und Stimmcoach begleitet. (...) Ingrid Berzau führt das Ensemble (..) an sein Ausdruckspotential heran, arbeitet die Dramaturgien der einzelnen Szenen punktgenau heraus. Die Dynamik eines Gerüchts hat sie als 'Stille Post' umgesetzt. (...) Auch das eine Kommunikationsform, die so alt ist wie die Menschheit selbst - und in der Version des Altentheaters überraschend innovativ und aufregend." Kölner Stadt-Anzeiger

"Ein vergnüglicher Blick zurück und in die Gegenwart. Verbunden mit der Aufforderung zum Generationen übergreifenden Dialog. (...) Alle überzeugen durch ihren persönlichen Auftritt, die oft sehr privaten Bekenntnisse. (...) Höchst unterhaltsame fünfviertel Stunden, lohnend für jedes Alter." rheinerlei.de

"Eine unterhaltsame, charmante Revue mit viel Tiefgang und Fragen, auf die es nicht unbedingt immer eine Antwort gibt. (...) Für den musikalischen roten Faden ist Sabine Falter zuständig, Frieder Beckmann sorgt mit einer Live-Cam über dem kleinen Tisch auf der Bühne für ein visuelles Hightlight. (...) Das ganze Stück ist ein Plädoyer für ein Miteinander-Reden, ein authentisches und emotional offenes Reden – auch zwischen den Generationen." Radio Köln

"In beeindruckender Weise zeigen die 17 Ensemble-Mitglieder in ihrem aktuellen Stück (...), wie die 'Alten' unter uns leben und fühlen. Es wird rezitiert, getanzt, gesungen und auf berührende und gleichzeitig unterhaltsame Weise aus dem Leben erzählt. (...) Mit großem Enthusiasmus haben sich die Darsteller*innen an das Thema 'Kommunikation im Wandel der Zeit' herangearbeitet. (...) Die Original-Texte der Ensemblemitglieder machen dabei den besonderen Charme und die Vielfalt aus. Das Stück besticht durch die vielen persönlichen Geschichten der Darsteller*innen, die berühren, aber teilsweise auch sehr humorvoll sind. (...) Die enorme Spielfreude, der Einfallsreichtun und die Kreativität der Ensemblemitglieder stecken das gesamte Publikum an." MeineSüdstadt